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Ontology

Evident Flow unterscheidet klar zwischen dem, worauf eine Organisation Einfluss nehmen kann, und dem, was sie sich davon erhofft. Diese Unterscheidung zieht sich durch alle Ebenen des Frameworks — vom übergeordneten Zweck bis zur konkreten Aufgabe.

  • InputOutputOutcome: Was wir tun, was dabei entsteht, was es bewirkt
  • WhyHowWhat: Warum wir es tun, wie wir es angehen, was konkret entsteht

Die folgenden Begriffe bilden das begriffliche Fundament des Evident Flow. Sie bauen aufeinander auf: Der Zweck erklärt, warum eine Organisation existiert. Die Vision beschreibt den Zustand, den sie anstrebt. Die Mission definiert den eigenen Beitrag. Strategien setzen die Richtung. Die Value Map übersetzt Richtungsentscheidungen in messbare Treiber. Objectives konkretisieren Zielzustände. Results machen den Plan messbar. Actions setzen ihn um.

Evident Flow ordnet jede Aktivität und jedes Ergebnis einer klaren Wirkungsebene zu. Die entscheidende Grenze verläuft zwischen Output und Outcome — hier endet die direkte Steuerbarkeit und beginnt die Hypothese. Diese Unterscheidung ist keine Eigenheit des Evident Flow, sondern ein etabliertes Prinzip der Evaluationswissenschaft: Das Logic Model Framework, die Theory of Change und die Sphere of Control/Influence/Interest-Modelle beschreiben dieselbe Grenze zwischen dem, was eine Organisation direkt steuern kann, und dem, was sie erhofft.

WirkungsebeneEvident Flow BegriffBeschreibungSteuerbar?
InputActionKonkrete Tätigkeiten und BemühungenJa — direkt
OutputResult (Key Result)Messbares Ergebnis der BemühungenJa — direkt
OutcomeObjective (Ziel)Erstrebenswerter Zielzustand, der Nutzen stiftetErhofft — nicht garantiert
ImpactValue Map TreiberStrategische Wirkung auf Stakeholder-VerhaltenErhofft — nicht messbar im Zyklus

Actions (Input) sind vollständig steuerbar. Results (Output) lassen sich direkt messen. Ob daraus der gewünschte Zielzustand (Outcome) entsteht, hängt von Annahmen ab, die sich erst im Nachhinein überprüfen lassen. Ob dieser Zielzustand wiederum die strategischen Treiber der Value Map beeinflusst (Impact), ist eine Hypothese — beobachtbar über KPIs und langfristige Reflexion.

Wie Objectives auf dieser Grundlage konkret formuliert werden, beschreibt die Section Wie formuliert man ein gutes Ziel?.

aka: Purpose

Der Zweck eines Unternehmens ist kein Mission Statement und kein Marketingtext. Er beschreibt, was ein Unternehmen im Kern ist: eine virtuelle Vereinigung von Menschen, die sich dazu verschreiben, eine geteilte Vision zu erreichen — und dabei ihre Werte und ihre Beute teilen.

Dieser Zweck ist für jedes Unternehmen im Grundsatz ähnlich. Was sich unterscheidet, ist die Vision, die eine Gruppe von Menschen verfolgt, und die Art, wie sie dabei miteinander umgehen. Der Zweck beantwortet nicht die Frage „Was machen wir?”, sondern die Frage „Warum gibt es uns als Organisation?” Peter Drucker formulierte es 1954 so: „The purpose of business is to create and keep a customer.” Evident Flow geht einen Schritt weiter: Der Zweck ist nicht nur die Kundenbeziehung, sondern die Vereinigung von Menschen, die gemeinsam Wert für alle Stakeholder schaffen.

Die Antwort: Weil eine Gruppe von Menschen glaubt, dass sie gemeinsam einen erstrebenswerten Zustand erreichen kann, der allein nicht möglich wäre.

Eine Vision beschreibt einen gesellschaftlich erstrebenswerten Zustand in der Zukunft. Sie hat zunächst nichts damit zu tun, was das Unternehmen konkret tut oder was dabei herauskommt. Die Vision beschreibt die Welt, wie sie aussehen soll, wenn das Unternehmen mit dem erfolgreich war, was es getan hat.

Eine gute Vision erzeugt ein Bild im Kopf — nicht vom Unternehmen, sondern von der Welt. Sie wirkt nach innen wie nach außen und macht klar, warum es sich lohnt, gemeinsam an etwas zu arbeiten. Die geteilte Vision ist es, die die Menschen im Unternehmen verbindet und die Existenz der Organisation im Sinne ihres Zwecks rechtfertigt.

Designempfehlungen für die Vision im Evident Flow:

Eine Vision beschreibt immer einen Zustand, nie eine Bemühung. Sie ist kein Umsatzziel („200 Millionen bis 2025”), keine Marktpositionierung („Marktführer für X”), kein Marketing-Claim („Enabling better communication”) und kein Prozess („Wir verbessern die Welt”).

Das „Wir” als Unternehmen kommt in einer guten Vision nicht vor — denn die Vision gehört nicht dem Unternehmen, sondern der Welt. Evident Flow empfiehlt bewusst, auf firmenspezifische Superlativ-Ziele wie BHAGs (Big Hairy Audacious Goals) in der Vision zu verzichten. Ein BHAG wie „Marktführer bis 2030” beschreibt eine Unternehmensleistung, nicht einen erstrebenswerten Weltzustand. Ambition entsteht im Evident Flow nicht durch das Versprechen einer Spitzenposition, sondern durch die Klarheit der Richtung und die Konsequenz der Umsetzung.

Die Mission beschreibt den Ansatz und den Weg, den das Unternehmen einschlägt, um seinen Teil dazu beizutragen, die Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Vision und Mission gehören untrennbar zusammen: Die Vision zeigt den erstrebenswerten Zustand, die Mission den eigenen Beitrag dorthin.

Eine gute Mission fokussiert sich auf den Nutzen, den das Unternehmen stiftet — nicht auf die Produkte oder Services, die es anbietet. Sie definiert die wesentlichen Erfolgstreiber und bildet damit den Anknüpfungspunkt für die Strategien des Unternehmens.

Während die Vision zeitlos ist und sich selten ändert, kann sich die Mission weiterentwickeln — wenn das Unternehmen neue Wege findet, zur Vision beizutragen.

Evident Flow definiert Strategien als Vektoren. Wie ein Vektor in der Mathematik hat eine Strategie zwei Eigenschaften: eine Richtung und eine Länge. Die Richtung bestimmt, worauf das Unternehmen seine Energie fokussiert. Die Länge bestimmt, wie viel Energie relativ investiert wird. Gemeinsam ergeben die Vektoren das Verhältnis der Kräfte, die ein Unternehmen auf seine strategischen Themen verteilt.

Strategien sind damit bewusst keine Wegpunkte und keine Ziele. Dass Ziele und Strategien grundverschiedene Konzepte sind, ist keine Erfindung des Evident Flow — Richard Rumelt beschreibt in Good Strategy Bad Strategy (2011) die Verwechslung von Zielen mit Strategie als einen der häufigsten Strategiefehler. Roger Martin betont in Playing to Win (2013), dass Strategie eine Entscheidung über „where to play and how to win” ist, kein Projektplan mit Meilensteinen. Und die Harvard Business Review titelte 2014 pointiert: „A List of Goals Is Not a Strategy.”

Eine gute Strategie trifft eine zentrale Entscheidung, die tausend kleinere Entscheidungen überflüssig macht. Sie ermöglicht es, aufkommende Themen schnell zu bewerten: Zahlt das auf unsere strategische Richtung ein, oder nicht? Damit reduziert sie Komplexität, statt sie zu erzeugen.

Strategien können auf unterschiedlichen Ebenen der Organisation existieren — als Unternehmensstrategien ebenso wie als Bereichsstrategien. Das ist vor allem deshalb sinnvoll, weil sich Strategien auf die Treiber der Value Map beziehen und diese in unterschiedliche Ebenen kausal aufgebrochen werden können. Bereichsstrategien beziehen sich entsprechend auf Treiber in tieferen Ebenen der Value Map.

Strategien zahlen auf die Mission ein. Aus Strategien leiten Führungskräfte operative Objectives ab, die konkret umsetzbar sind. Diese Reihenfolge ist entscheidend: Strategie → Objective, nicht umgekehrt. Strategien werden regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst — typischerweise im Strategie Retreat.

Warum es keine „strategischen Ziele” gibt

Der Begriff „strategisches Ziel” ist in der Ontologie des Evident Flow bewusst nicht vorgesehen. Er vermischt zwei Ebenen, die sauber getrennt gehören: die Richtungsentscheidung (Strategie) und den konkreten Zielzustand (Objective). Wenn unklar bleibt, ob eine Strategie auf ein Ziel einzahlt oder ein Ziel von einer Strategie abgeleitet wird, verliert die gesamte Kaskade ihre Nachvollziehbarkeit. Evident Flow trennt deshalb konsequent: Strategien geben Richtung, Objectives beschreiben Zielzustände.

aka: Treibermodell, Wertschöpfungsmodell

Die theoretische Grundlage für die strategische Steuerung im Evident Flow bildet der Value Stick nach Felix Oberholzer-Gee (Harvard Business School). Das Modell beschreibt, wie Wert in einem Unternehmen entsteht und verteilt wird — über vier Punkte:

PunktBedeutung
WTP (Willingness to Pay)Das Maximum, das Kunden bereit wären zu zahlen
PreisDer tatsächliche Verkaufspreis
KostenWas das Unternehmen an Mitarbeitende und Lieferanten zahlt
WTS (Willingness to Sell)Das Minimum, das Mitarbeitende und Lieferanten akzeptieren würden

Wert entsteht, indem der Stick verlängert wird — entweder durch Erhöhung der WTP (Kunden erleben mehr Nutzen) oder durch Senkung der WTS (Mitarbeitende und Lieferanten erleben mehr Attraktivität). Wert verteilen hingegen bedeutet, Preis oder Kosten auf dem bestehenden Stick zu verschieben — ein Nullsummenspiel. Evident Flow fokussiert konsequent auf Wertschöpfung, nicht auf Wertverteilung.

Die Value Map übersetzt dieses Modell in ein konkretes, kausales Treibermodell für die eigene Organisation. Sie identifiziert die Faktoren — die Treiber —, die kausal beeinflussen, wie Stakeholder das Unternehmen wahrnehmen und sich verhalten. Diese Treiber sind keine Finanzkennzahlen und keine Ergebnismetriken (wie Umsatz oder Fluktuation), sondern führende Indikatoren: Was beeinflusst, ob Kunden kaufen? Was beeinflusst, ob Mitarbeitende bleiben?

Pro Unternehmen gibt es eine Value Map. Die Gewichtung der Treiber bestimmt, welche Objectives in der Flow Pipeline Priorität erhalten — berechnet über den Evident Flow Index (EFI). Die Value Map wird im Strategie Retreat überprüft und bei Veränderungen im Geschäftsmodell oder Marktumfeld angepasst.

Die ausführliche Beschreibung des Value Stick und der Value Map findet sich in der Section Value Stick & Value Map.

aka: Key Performance Indicator, Kennzahl, Indikator

Ein KPI ist ein Indikator — ein Messinstrument, das einschätzen hilft, wie weit eine Strategie oder ein Treiber der Value Map vorangeschritten ist. Ein KPI ist kein Ziel und kein Erwartungswert.

Diese Unterscheidung ist zentral: Wer einen KPI zum Ziel erklärt, verändert das Verhalten im Unternehmen — weg von der eigentlichen Wirkung, hin zur Optimierung der Kennzahl. Der KPI verliert damit seine Aussagekraft als Indikator. Dieses Phänomen ist als Goodhart’s Law bekannt: Sobald eine Kennzahl zum Ziel wird, hört sie auf, eine gute Kennzahl zu sein (Charles Goodhart, 1975). Campbell’s Law (1979) bestätigt dieselbe Beobachtung unabhängig aus der Sozialwissenschaft.

Die Forschung zur Zielsetzung (Locke & Latham) zeigt, dass konkrete Zielwerte auf Indikatoren unter bestimmten Bedingungen funktionieren: bei hoher psychologischer Sicherheit, hoher Vorhersehbarkeit und einem einzelnen, klar abgegrenzten Ziel. Sobald jedoch mehrere Ziele gleichzeitig verfolgt werden und die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge unsicher sind, führt die Zielsetzung auf Indikator-Ebene zu Fehlanreizen und lokaler Optimierung. Evident Flow ist ein Framework für das Steuern in Unsicherheit — es geht explizit davon aus, dass sich die kausalen Zusammenhänge zwischen Handlung und Wirkung nicht vollständig vorhersagen lassen. Deshalb hat Evident Flow die bewusste Entscheidung getroffen, KPIs ausschließlich als Indikatoren zu verwenden.

KPIs im Evident Flow zeigen an, ob eine Strategie greift und ob die Treiber der Value Map sich in die gewünschte Richtung entwickeln — ohne selbst Gegenstand von Zielvorgaben zu werden. Ziele (Objectives) werden auf Outcome-Ebene formuliert, nicht auf KPI-Ebene.

aka: Ziel, Wirkung, Outcome

Ein Objective beschreibt einen konkreten, erstrebenswerten Zielzustand, der innerhalb eines definierten Zeitrahmens erreicht werden soll. Es liegt im Einflussbereich des Owners, erzeugt ein klares Bild im Kopf und lässt sich am Ende mit Ja oder Nein bewerten.

Objectives fokussieren sich auf den Nutzen (Outcome), nicht auf die Bemühung (Input) oder das messbare Ergebnis allein (Output). Sie können, müssen aber nicht messbar sein. Jedes Objective hat einen expliziten Bezug zu übergeordneten Zielen oder Strategien und wird nach Art klassifiziert: Entwicklung, Betrieb oder Compliance.

Wird ein Ziel heruntergebrochen, entstehen Teilziele — keine Key Results und keine Aufgaben. Jedes Teilziel folgt denselben Regeln wie jedes andere Ziel.

Wie gute Ziele konkret formuliert, geprüft und heruntergebrochen werden, beschreibt die Section Wie formuliert man ein gutes Ziel?.

aka: Key Result, Ergebnis, Output

Key Results sind die messbaren Ergebnisse (Outputs), mit denen ein Owner das eigene Ziel konkretisiert. Sie beschreiben die Hebel, über die der Owner den Zielzustand erreichen will, und machen den Plan sowie die Machbarkeit einschätzbar.

Key Results werden ausschließlich vom Owner selbst verantwortet — sie werden nicht delegiert. Was an andere Teams weitergegeben wird, ist immer ein Teilziel, kein Key Result.

aka: Aufgabe, Initiative, TODO, Aktion, Bemühung, Input

Actions sind die konkreten Tätigkeiten und Initiativen, die ein Owner oder Team unternimmt, um Key Results zu erreichen. Sie liegen auf der Ebene des Inputs — vollständig steuerbar, aber ohne Garantie, dass daraus der erhoffte Output oder Outcome entsteht.