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Evident Flow Index

Der Evident Flow Index (EFI) berechnet für jedes Ziel ein Effizienzmaß: Wie viel kundenseitig gewichteter, strategisch fokussierter und risikoadjustierter Wertbeitrag entsteht pro Aufwandseinheit? Die Rangfolge der Ziele ergibt sich aus diesem Verhältnis — nicht aus einer Wichtigkeitsdiskussion.

EFI = Σ(impact_i × C_i × w_strategy,i × w_driver,i × w_lever,i) / (1 + effort)

Die Summe läuft über alle Hebel-Treiber-Pfade, die ein Ziel adressiert. Für jeden Pfad wird einzeln berechnet, welchen Wertbeitrag das Ziel dort leistet — multipliziert mit der Konfidenz der Schätzung, der strategischen Gewichtung, der Zielgruppenpriorität und dem Hebelgewicht. Die Summe ergibt den risikoadjustierten Gesamtnutzen. Geteilt durch den normierten Aufwand plus 1 entsteht der EFI.

impact_i — Die geschätzte Wirkung des Ziels auf einen bestimmten Hebel der Value Map (Skala –1 bis +1). Die Schätzung stammt aus der gebündelten Expertise der beteiligten Führungskräfte in der Trade-off Session.

C_i (Confidence) — Der Konfidenzwert der Schätzung (Skala >0 bis 1). Misst, wie einig sich die schätzenden Experten sind. Hohe Einigkeit bedeutet hohe Konfidenz. Starke Streuung drückt den Wert nach unten. Wie C_i berechnet wird, beschreibt der Abschnitt Der Konfidenzfaktor.

C_i ist nicht identisch mit dem Confidence Level. Das Confidence Level misst die subjektive Zuversicht eines Owners, ein laufendes Ziel zu erreichen. C_i misst die Einigkeit der Experten bei der Impact-Schätzung. Beides sind Konfidenzmaße — aber auf unterschiedlichen Ebenen und mit unterschiedlicher Funktion.

w_strategy,i — Der Strategie-Multiplikator. Eine Management-Entscheidung, die bestimmte Treiber für den aktuellen Zyklus fokussiert oder blockiert. Der Default ist 1. Die Geschäftsführung kann den Wert hochsetzen, um Fokus auf einen Treiber zu lenken, oder auf 0 setzen, um einen Treiber im aktuellen Zyklus bewusst zu deaktivieren (Killswitch). Die Anpassung erfolgt quartalsweise im Rahmen des Strategie-Updates. Welche Treiber existieren und wie sie zusammenhängen, definiert die Value Map. Die Strategiegewichtung bestimmt, welche Treiber im aktuellen Zyklus besonders relevant sind.

w_driver,i — Die Zielgruppenpriorität. Gibt an, wie wichtig dieser Treiber für den Kunden ist (nach oben offen). Die Gewichtung stammt aus der Value Map und bildet die Marktrealität ab.

w_lever,i — Das normierte Gewicht des Hebels auf seinen Treiber (Summe aller Hebelgewichte pro Treiber = 1). Die Normierung ergibt sich aus der System-Ontologie der Value Map.

effort — Der normierte Aufwand für die Umsetzung des Ziels. Effort wird über T-Shirt Sizes auf eine Skala von 0 bis 1 normiert. Das Ceiling (= 1) ist ein Ziel, das gerade noch in einem Quartal erledigt werden kann. Die Abstufung folgt einer Fibonacci-proportionalen Skalierung:

T-Shirt SizeSMLXLXXL
Normierter Effort0.080.150.380.621.0

Die Abstände zwischen den Größen wachsen bewusst. Realer Aufwand skaliert nicht linear mit der Zielgröße — größere Ziele binden überproportional mehr Ressourcen durch Koordination, Abstimmung und Abhängigkeiten. Eine lineare Normierung (S=0.2, M=0.4, L=0.6 …) würde diesen Effekt ignorieren und große Ziele in der EFI-Rangfolge systematisch bevorzugen. Die Fibonacci-Skalierung bildet diese Realität ab und folgt dem gleichen Prinzip, das sich in agilen Schätzverfahren (Story Points, Planning Poker) seit zwei Jahrzehnten bewährt hat.

Die Einsortierung selbst bleibt intuitiv: Die Schätzung erfolgt relativ zu bisherigen Zielen der Organisation, wie in der Section Objectives beschrieben. Die Fibonacci-Werte sind ein Implementationsdetail der Formel — die Schätzenden arbeiten ausschließlich mit den T-Shirt-Kategorien.

Die Logik liest sich von unten nach oben:

Ziel → wirkt auf Hebel (impact) → Hebel wirkt auf Treiber (w_lever, normiert) → Treiber ist kundengewichtet (w_driver, nach oben offen) und strategiegewichtet (w_strategy, default 1, quartalsweise anpassbar)

Jede Ebene filtert: Ein Ziel zählt nur dann stark, wenn es einen Hebel tatsächlich bewegt, dieser Hebel relevant für seinen Treiber ist, der Treiber dem Kunden wichtig ist und die Strategie diesen Treiber aktuell priorisiert.

Baumstruktur-Constraint. Die Value Map ist als Graph modelliert, aber für die EFI-Berechnung gilt die Einschränkung, dass jeder Hebel genau einem Treiber zugeordnet ist. Das erzwingt Feingranularität in der Treiberdefinition und stellt sicher, dass die Normierung von w_lever (Summe = 1 pro Treiber) eindeutig bleibt.

Die Formel ist bewusst so gebaut, dass sie bestimmte Effekte erzeugt:

Natürlicher Filter. Die Multiplikation sorgt dafür, dass ein Hebel nur dann ins Gewicht fällt, wenn alle Faktoren — Impact, Konfidenz, Strategiegewicht, Hebelgewicht und Treibergewicht — substanziell sind. Ein Ziel, das einen irrelevanten Hebel stark bewegt, ergibt genauso wenig wie ein Ziel, das einen wichtigen Hebel kaum berührt.

Negative Nebeneffekte werden bestraft. Wenn ein Ziel auf einen Hebel negativ wirkt (impact < 0), reduziert das den Gesamtnutzen aktiv. Das verhindert, dass Ziele priorisiert werden, die in einem Bereich Wert schaffen und in einem anderen zerstören.

Zielgruppenpriorität dominiert. Dass w_driver nach oben offen ist, bedeutet: Ein einzelner hochpriorisierter Treiber kann den Score dominant prägen. Das ist gewollt — es bildet ab, dass manche Kundenbedürfnisse gerade deutlich wichtiger sind als andere.

Trennung von Strategie und Markt. Durch die Aufteilung in w_driver (vom Kunden bestimmt) und w_strategy (vom Management bestimmt) bleiben die grundlegenden Kundenbedürfnisse stabil, während das Management w_strategy als Lenkrad nutzt, um Ressourcen asymmetrisch zu verteilen. Das verhindert den “Peitscheneffekt”: Strategische Richtungswechsel verfälschen nicht die Wertematrix des Kunden, sondern verschieben den Fokus innerhalb dieser Matrix.

Lokale Risikoabwertung. Der Konfidenzwert C_i steht innerhalb der Summenklammer. Das stellt sicher, dass ein Ziel nicht pauschal abgewertet wird, nur weil ein einzelner Hebel unsicher ist. Jeder Pfad wird präzise anhand seiner eigenen Datenlage und Unsicherheit bewertet.

Effizienz mit Bodenhaftung. Die Addition von 1 im Nenner (1 + effort) verhindert, dass triviale Ziele mit einem Aufwand nahe null den Gesamtscore ins Unendliche explodieren lassen — der klassische “Low-Hanging-Fruit-Bias”. Das mathematische Smoothing belohnt weiterhin schlanke Ziele, zieht aber eine natürliche Grenze. Ein Ziel kleiner zu schneiden lohnt sich, solange der Impact erhalten bleibt.

Nur relativ lesbar. EFI-Werte sind ausschließlich relativ zueinander interpretierbar. Ein einzelner Score hat keine absolute Bedeutung — der EFI dient der Rangfolge, nicht der Bewertung.

Der Faktor C_i dient als organisatorisches Immunsystem gegen politische Projekte (“Pet Projects”) und blindes Wunschdenken. Die Grundlage: Wenn mehrere Experten denselben Hebel-Treiber-Pfad schätzen, entsteht eine Verteilung von Einzelschätzungen. Aus der Streuung dieser Schätzungen lässt sich die Standardabweichung berechnen — und damit ein Maß dafür, wie einig sich die Gruppe ist.

C_i setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: der Einigkeit der menschlichen Experten (C_human) und dem optionalen KI-Korrektiv (C_AI).

Schritt 1 — Populationsstandardabweichung der Expertenschätzungen:

σ_i = √( (1/n) × Σ(x_j − x̄)² )

Dabei ist x_j die Einzelschätzung von Experte j, x̄ der Mittelwert aller Schätzungen und n die Anzahl der Schätzenden. Verwendet wird die Populationsstandardabweichung (Division durch n, nicht n−1), da alle abgegebenen Expertenschätzungen vorliegen — nicht eine Stichprobe aus einer Grundgesamtheit. Auf der Impact-Skala (–1 bis +1) liegt σ_i damit immer im Bereich [0, 1].

Schritt 2 — Konfidenz aus Experteneinigkeit:

C_human,i = 1 − σ_i

Die Abwertung ist linear: Je stärker die Streuung, desto größer der Abschlag. 30 % Streuung bedeutet 30 % Abwertung.

Hohe Einigkeit (geringe Standardabweichung): Die Schwarmintelligenz ist sich sicher. C_human,i nähert sich 1,0. Der geschätzte Impact fließt nahezu ungemindert in die Wertung ein.

Starke Diskrepanz (hohe Standardabweichung): Die Experten widersprechen sich. Das Risiko, dass der Impact nicht eintritt, ist hoch. C_human,i sinkt deutlich. Der Wert des Pfades wird entsprechend reduziert.

Wie die Expertenschätzungen im Detail entstehen — wer schätzt, wie mit Streuung umgegangen wird und wie die Gruppe zu einer tragfähigen Einschätzung kommt — beschreibt die Trade-off Session.

Zusätzlich zu den menschlichen Experten simulieren KI-Agenten auf Basis objektiver Daten die Schätzung. Die Agenten operieren als digitale Zwillinge — sie kennen die Value Map, die historischen Daten und die aktuelle Unternehmenslage.

Weicht die menschliche Schätzung von der KI-Schätzung ab, drückt dies den Konfidenzwert C_i zusätzlich nach unten. Konkret:

Schritt 3 — Abweichung zwischen Mensch und KI:

δ_i = |x̄ − x_AI|

Dabei ist x̄ der Mittelwert der menschlichen Schätzungen und x_AI die KI-Schätzung für denselben Pfad. Die maximale Abweichung auf der Skala [–1, +1] beträgt 2.

Schritt 4 — KI-Konfidenz:

C_AI,i = 1 − δ_i / 2

Division durch 2 normiert die Abweichung auf [0, 1]. Stimmen Mensch und KI überein (δ = 0), bleibt C_AI = 1. Bei maximaler Abweichung (Mensch schätzt +1, KI schätzt –1) sinkt C_AI auf 0.

Das Korrektiv fungiert als Gegengewicht zu politischen Gefälligkeitsschätzungen und zwingt die menschlichen Experten in der Trade-off Session, ihre impliziten Annahmen offenzulegen und zu rechtfertigen.

C_i = C_human,i × C_AI,i

Beide Dimensionen — Experteneinigkeit und KI-Validierung — müssen unabhängig bestehen. Die Multiplikation ist konsistent mit der EFI-Formel selbst, die ebenfalls multiplikativ aufgebaut ist.

Fallback: Liegt für einen Pfad keine KI-Schätzung vor, gilt C_AI,i = 1. Der Konfidenzfaktor reduziert sich dann auf C_human,i allein. Die Formel ist damit von Beginn an funktionsfähig, auch bevor das KI-Korrektiv produktiv ist.

Der EFI operiert auf einer Abstraktionshöhe, auf der sich Ursachen und Wirkungen nicht vollständig modellieren lassen. Die Daten für die Impact-Schätzung stammen nicht aus einem geschlossenen Modell, sondern aus der gebündelten Expertise der beteiligten Führungskräfte.

Der EFI ist damit ein Behelfskonstrukt — aber ein bewusstes. Über mehrfach durchgeführte Schätzungen von Personen mit relevanter Domänen-Expertise entsteht eine Einschätzung, die individuelle Schätzfehler weitgehend bereinigt und einen vernünftigen Blick auf die anzunehmenden Effekte eines Ziels auf die Treiber der Value Map ermöglicht. Wie dieser Schätzprozess konkret abläuft — wer schätzt, warum unterschiedlich viele Schätzungen pro Treiber kein Gewichtungsproblem sind und wie die Gruppe mit abweichenden Einschätzungen umgeht — ist im Detail in der Trade-off Session beschrieben.

Um ausufernde Komplexität und “Business Theater” zu vermeiden, verzichtet der EFI bewusst auf folgende Metriken:

Zeitliche Dringlichkeit (Time Criticality). Der EFI ist ein statisches Modell für den aktuellen Zyklus. Wenn ein Ziel absolute zeitliche Priorität hat — Weihnachtsgeschäft, harte Compliance-Deadline, regulatorische Fristen —, ist das eine Top-Down-Management-Entscheidung. Solche Overrides werden nicht der Formel überlassen, sondern transparent kommuniziert und in der Trade-off Session begründet.

Zukünftige Zinseszinseffekte (Compounding Value). Der EFI bewertet ausschließlich den Impact, der im jetzigen Quartal validiert werden kann. Das verhindert, dass Teams fiktive “Millionenwerte in Jahr 3” erfinden, um ihre Ziele heute durchzudrücken. Es erzwingt das agile Schneiden von Zielen auf sofortige Wertgenerierung.

Der EFI ist kein Closed Loop. Da Unternehmen in einer multikausalen Welt operieren, lässt sich im Nachgang nicht exakt analysieren, ob die angenommenen Wirkungszusammenhänge gestimmt haben. Selbst beobachtbare Ergebnisse sind nicht eindeutig auf einzelne Handlungen zurückzuführen.

Der EFI beantwortet deshalb nicht die Frage, was das theoretisch global beste Ziel wäre. Er beantwortet eine bescheidenere, aber praktisch relevante Frage: Welche der aktuell zur Verfügung stehenden Handlungsoptionen hat mit annehmbarer Wahrscheinlichkeit den größtmöglichen Impact pro Aufwandseinheit auf die derzeit erstrebten Größen?