Skip to content

Meetings

Meetings im Evident Flow bilden den operativen Rhythmus der Organisation. Während Workshops bewusste Einschnitte sind, in denen Richtungsentscheidungen getroffen werden, sind Meetings das Gewebe des Alltags: wöchentliche Synchronisation, laufende Steuerung, Beziehungspflege. Sie sorgen dafür, dass Informationen fließen, Hindernisse sichtbar werden und Entscheidungen dort getroffen werden, wo sie hingehören.

Evident Flow definiert vier Meeting-Formate. Jedes hat einen klaren Zweck, einen definierten Rhythmus und eine Ebene, auf der es wirkt. Kein Meeting ist ein Statusupdate — jedes Meeting ist ein Arbeitsformat.

FormatRhythmusEbeneFokus
Team-(a)SyncWöchentlichJede Führungsebene mit ihren Direct ReportsSynchronisation, Steuerung, Eskalation
Office HoursWöchentlich (optional)Führungskraft und einzelne PersonSparring, Coaching, Reflexion
Walk in the ParkMonatlichFührungskraft und einzelne PersonBeziehungsebene, Feedback, Meta-Perspektive
All HandsQuartalsweise (Meeting) / monatlich (Reporting)Gesamte OrganisationTransparenz, Kontext, gemeinsame Ausrichtung

Der Team-Sync ist das zentrale operative Meeting im Evident Flow. Er findet wöchentlich statt — auf jeder Ebene der Organisation, in der eine Führungskraft mit ihren Direct Reports zusammenarbeitet.

“Team” im Kontext des Syncs meint nicht eine feste Organisationseinheit, sondern die Gruppe, die zwei Ebenen der Organisation verbindet. Auf Company-Ebene sind das Geschäftsführung und Abteilungsleitungen. Auf Abteilungsebene sind das Abteilungsleitung und Teamleitungen. Auf Teamebene sind das Teamleitung und Einzelpersonen. Jede dieser Gruppen hat ihren eigenen wöchentlichen Sync.

Diese Struktur stellt sicher, dass sich Informationen innerhalb einer Woche über alle Ebenen verteilen. Was am Montag im Company-Sync als Thema identifiziert wird, kann am Dienstag im Abteilungs-Sync weitergegeben und am Mittwoch im Team-Sync adressiert werden. Umgekehrt können Hindernisse, die im Team-Sync sichtbar werden, über die Abteilung in den Company-Sync eskaliert werden — alles innerhalb einer Woche.

Personen, die in zwei Syncs sitzen — typischerweise Abteilungsleitungen (im Company-Sync und im eigenen Abteilungs-Sync) und Teamleitungen (im Abteilungs-Sync und im eigenen Team-Sync) — nehmen eine besondere Rolle ein. Sie sind das Scharnier zwischen den Ebenen.

Diese Rolle geht über das bloße Weitergeben von Informationen hinaus. Die Scharnier-Person übersetzt aktiv zwischen den Kontexten: Was bedeutet eine strategische Entscheidung aus dem Company-Sync konkret für die eigene Abteilung? Welche operative Realität aus dem Team-Sync ist relevant für die nächsthöhere Ebene? Die Qualität dieser Übersetzung bestimmt, ob die Kaskade der Syncs tatsächlich Alignment erzeugt — oder nur Informationsrauschen.

Für Führungskräfte in der Scharnier-Rolle bedeutet das: Sie bereiten sich nicht nur auf einen Sync vor, sondern auf zwei. Sie tragen Entscheidungen und Kontexte bewusst von einer Ebene in die andere. Und sie filtern dabei — nicht alles, was im Company-Sync besprochen wird, ist für den Team-Sync relevant, und umgekehrt.

Das Wort “Sync” steht für Synchronisation — das In-Übereinstimmung-Bringen von Menschen, Informationen und Aktivitäten. Der Sync dient der Abstimmung und der Steuerung, nicht der inhaltlichen Problemlösung. Die zentrale Regel lautet:

“Raise the issue — solve it elsewhere.”

Wenn im Sync ein Problem identifiziert wird, das eine vertiefte Diskussion braucht, wird es benannt, dokumentiert und in einen Solution Jam überführt — nicht im Sync gelöst. Diese Disziplin ist entscheidend: Ohne sie dehnen sich Syncs aus, werden zu Endlosmeetings und verlieren ihren Steuerungszweck.

Der Team-Sync ist ein Arbeitsmeeting. Er erfordert Vorbereitung — sowohl von der Führungskraft als auch von den Teilnehmern. Die Grundlage für den Sync bilden die Artefakte, die das Framework produziert:

Das Confidence Level setzt die Agenda. Vor dem Sync aktualisiert jeder Owner das Confidence Level seiner Ziele in der Flow Pipeline. Signifikante Veränderungen — insbesondere sinkendes CL — bestimmen, worüber gesprochen wird. Ziele, die stabil laufen, brauchen keine Aufmerksamkeit. Ziele, die in Schwierigkeiten geraten, brauchen Unterstützung. Das CL lenkt den Fokus dorthin, wo er gebraucht wird.

Die Pipeline ist die Gesprächsgrundlage. Der Sync arbeitet direkt mit der Flow Pipeline. Welche Ziele sind in WIP? Welche stocken? Wo gibt es Blockaden durch Abhängigkeiten zu anderen Teams? Wo wird Kapazität frei, um das nächste Ziel aus Next zu ziehen?

Die 4 Reflections liefern den Kontext. Die wöchentlichen Reflexionen — Errungenschaften, Erkenntnisse, Herausforderungen, Fokus — geben der Führungskraft und dem Team ein Bild davon, was in der vergangenen Woche passiert ist, ohne dass jeder einzeln berichten muss.

Der Pull-Effekt. Der wöchentliche Rhythmus des Syncs erzeugt Verbindlichkeit. Weil jede Woche auf die Pipeline geschaut wird, entsteht ein natürlicher Zug: Themen werden durch die Pipeline gezogen, nicht geschoben. Wer ein Ziel in WIP hat, weiß, dass in einer Woche danach gefragt wird — nicht als Kontrolle, sondern als gemeinsame Steuerung.

Der Team-Sync muss nicht immer synchron stattfinden. Evident Flow erlaubt explizit eine asynchrone Variante: ein offenes Dokument, das bis zu einer definierten Deadline befüllt wird. Die Teilnehmer tragen ihre Updates, CL-Veränderungen und Themen asynchron ein. Die Führungskraft liest, kommentiert und eskaliert bei Bedarf.

Die asynchrone Variante eignet sich besonders für Wochen, in denen keine signifikanten CL-Veränderungen vorliegen und keine dringenden Themen anstehen. Sie ist kein Ersatz für den synchronen Sync, sondern eine Ergänzung — ein bewusster Verzicht auf ein Meeting, wenn das Meeting keinen Mehrwert hätte.

Der letzte Team-Sync eines Quartals hat einen erweiterten Fokus. Neben der regulären Synchronisation findet hier der Quartals-Review statt — ein Rückblick, der zwei Perspektiven verbindet:

Pipeline-Review. Welche Ziele wurden erreicht, welche nicht? Wo stehen die Ziele, die noch in WIP oder Next sind? Was erklärt die Abweichungen — und welche Konsequenzen hat das für das kommende Quartal?

Prozess-Retro. Funktioniert der Prozess selbst? Gibt es Verbesserungsvorschläge für die Art, wie das Team mit der Pipeline, den Syncs, den Reflections arbeitet? Die Retro adressiert nicht die Inhalte, sondern die Arbeitsweise.

Der Quartals-Review ist kein eigener Workshop — er ist in den bestehenden Meeting-Rhythmus eingebettet.

Office Hours sind ein wöchentliches, optionales Angebot jeder Führungskraft an ihre Direct Reports — auf allen Ebenen der Organisation. Die Geschäftsführung bietet Office Hours für Abteilungsleitungen an, Abteilungsleitungen für Teamleitungen, Teamleitungen für ihre Teammitglieder. Das Format dient dem persönlichen Sparring und Coaching — zu Zielen, zu Herausforderungen, zu den eigenen 4 Reflections.

Das entscheidende Merkmal der Office Hours: Die geführte Person kommt auf die Führungskraft zu, nicht umgekehrt. Die Führungskraft stellt einen festen Slot zur Verfügung. Wer Sparring braucht, nutzt ihn. Wer keinen Bedarf hat, lässt ihn aus.

Dieses Pull-Prinzip hat zwei Effekte. Erstens erzeugt es Eigenverantwortung: Wer seine Office Hours nicht nutzt, übernimmt die Verantwortung für die eigene Steuerung. Zweitens setzt es einen sanften Druck auf die Arbeit mit den Artefakten des Frameworks — insbesondere die 4 Reflections und die Ziele in der Flow Pipeline. Wer zum Sparring kommt, bringt seine Reflexionen und seinen Pipeline-Stand mit. Wer nichts mitbringt, hat wenig zu besprechen.

Office Hours sind bewusst offen gestaltet. Typische Themen:

  • Rückfragen zu den eigenen Zielen: Bin ich auf dem richtigen Weg?
  • Coaching bei inhaltlichen Herausforderungen
  • Reflexion über die eigene Woche auf Basis der 4 Reflections
  • Impulse für die Zusammenarbeit mit anderen Teams

Ein besonderer Anlass kann der Verantwortungsdialog sein — wenn die geführte Person oder die Führungskraft das Gefühl hat, dass Rollen und Verantwortlichkeiten angepasst werden müssen. Der Verantwortungsdialog ist kein eigenes Meeting-Format, sondern ein potenzieller Inhalt auf der Ebene Führungskraft und Direct Report, der immer dann stattfinden kann, wenn es erforderlich erscheint — sei es in den Office Hours, im Walk in the Park oder in einem eigens angesetzten Gespräch.

Einmal im Monat treffen sich Führungskraft und Direct Report persönlich — gezielt ohne Screen und ohne fixe Agenda. Wie die Office Hours findet der Walk in the Park auf jeder Ebene statt: Geschäftsführung mit Abteilungsleitungen, Abteilungsleitungen mit Teamleitungen, Teamleitungen mit ihren Teammitgliedern. Das Format heißt Walk in the Park, weil es buchstäblich dorthin gehört: raus aus dem Büro, raus aus dem operativen Modus, rein in ein Gespräch auf der Beziehungsebene.

Der Walk in the Park adressiert bewusst die Dimension der Zusammenarbeit, die in keinem Tool und keiner Pipeline abgebildet ist: Wie geht es der Person? Wie ist die Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeitendem? Gibt es Spannungen, die sich nicht in Zielen oder Confidence Levels zeigen, aber die Arbeit beeinflussen?

Das Format verfolgt drei Ziele:

  • Beziehungsebene kultivieren — eine tragfähige Arbeitsbeziehung braucht Momente, die nicht transaktional sind. Der Walk in the Park schafft diesen Raum.
  • Generelles Feedback geben — nicht zu einem spezifischen Ziel oder einer konkreten Situation, sondern zur Zusammenarbeit insgesamt. Was läuft gut? Was könnte sich verändern?
  • Auf der Meta-Ebene arbeiten — einen Schritt zurücktreten und über die Arbeit an sich sprechen: Passt die Rolle noch? Gibt es Entwicklungswünsche? Stimmt die Richtung?

Der Walk in the Park ist oft der Ort, an dem Impulse für Anpassungen der Rollen und Verantwortlichkeiten aufgenommen werden. Wenn eine Person spürt, dass ihre Rolle nicht mehr passt — dass das Wollen, Können, Sollen oder Dürfen nicht mehr im Gleichgewicht ist —, wird das selten im Sync oder in den Office Hours sichtbar. Es zeigt sich in den Momenten, in denen Raum für ehrliche Reflexion ist. Der Walk in the Park schafft diesen Raum.

Das All Hands verbindet die gesamte Organisation. Während die anderen Formate jeweils eine Führungsebene mit ihren Direct Reports verbinden, schafft das All Hands Transparenz über alle Ebenen hinweg — direkt von der Geschäftsführung an alle Mitarbeitenden. Es existiert in zwei Varianten:

Einmal im Quartal kommt die gesamte Organisation zusammen — idealerweise nach der Trade-off Session, wenn die Ziele für das kommende Quartal feststehen. Das quartalsweise All Hands hat drei Funktionen:

Strategischen Kontext herstellen. Die Geschäftsführung erklärt, wo das Unternehmen steht und wohin es sich bewegt. Was hat sich im Markt verändert? Welche strategischen Hypothesen der Value Map haben sich bestätigt, welche wurden angepasst? Dieser Kontext ist entscheidend, damit alle Mitarbeitenden verstehen, warum bestimmte Ziele priorisiert werden — nicht nur was geplant ist, sondern die Logik dahinter.

Rückblick auf das vergangene Quartal. Was wurde erreicht? Welche übergreifenden Muster zeigen sich? Der Rückblick ist keine Auflistung einzelner Ziele, sondern eine Einordnung: Was bedeuten die Ergebnisse für die Gesamtentwicklung des Unternehmens?

Ausblick auf das kommende Quartal. Welche Ziele wurden in der Trade-off Session beschlossen? Wo liegen die Schwerpunkte? Welche Abhängigkeiten zwischen Abteilungen sind besonders relevant? Der Ausblick gibt allen die Möglichkeit, die eigene Arbeit in den Gesamtzusammenhang einzuordnen.

Das All Hands ist kein Einweg-Kanal. Raum für Fragen — live oder vorab gesammelt — ist integraler Bestandteil. Die Qualität der Fragen ist oft ein guter Indikator dafür, ob der strategische Kontext tatsächlich angekommen ist.

Zwischen den quartalsweisen Meetings gibt es ein monatliches Reporting — schriftlich, mit Kommentarfunktion. Es informiert über den laufenden Fortschritt, ohne ein synchrones Meeting zu erfordern. Typische Inhalte sind der Stand der Quartals-Ziele auf Company-Ebene, relevante Veränderungen im Marktumfeld und organisatorische Updates.

Die Kommentarfunktion ist bewusst gewählt: Sie ermöglicht es allen Mitarbeitenden, Fragen zu stellen oder Feedback zu geben — und macht sichtbar, welche Themen die Organisation beschäftigen.

Im Team-Sync:

  • Das Confidence Level als Agenda-Instrument nutzen — nicht alle Ziele durchgehen, sondern den Fokus auf signifikante Veränderungen legen
  • Die Flow Pipeline als Gesprächsgrundlage verwenden, nicht als Kontrollinstrument
  • Probleme identifizieren und in Solution Jams überführen, statt sie im Sync lösen zu wollen
  • Den Pull-Effekt aufrechterhalten: Wer zieht das nächste Ziel? Wo wird Kapazität frei?

In den Office Hours:

  • Den Slot verlässlich anbieten — auch wenn er nicht jede Woche genutzt wird
  • Sparring und Coaching auf Basis der 4 Reflections des Direct Reports
  • Aufmerksam sein für Signale, die auf einen Verantwortungsdialog hindeuten

Im Walk in the Park:

  • Bewusst aus dem operativen Modus heraustreten — kein Ziel-Review, kein Pipeline-Check
  • Zuhören statt steuern
  • Feedback geben, das über das Tagesgeschäft hinausgeht

In der Scharnier-Rolle:

  • Entscheidungen und Kontexte bewusst von einer Ebene in die andere tragen
  • Übersetzen, nicht nur weiterleiten — was bedeutet eine strategische Entscheidung für das eigene Team?
  • Filtern: Nicht alles aus dem Company-Sync ist für den Team-Sync relevant, und umgekehrt

Im All Hands:

  • Den strategischen Kontext herstellen — warum verfolgen wir diese Ziele?
  • Transparenz über den Stand des Unternehmens schaffen
  • Raum für Fragen lassen und ernst nehmen

Damit die Meetings im Evident Flow ihre Wirkung entfalten, braucht es:

  • Eine Flow Pipeline mit gepflegten Zielen — ohne Pipeline hat der Team-Sync keine Gesprächsgrundlage
  • Wöchentlich aktualisierte Confidence Levels — ohne CL-Updates fehlt dem Sync das Agenda-Setting
  • Gepflegte 4 Reflections — sie liefern den Kontext für den Sync und die Office Hours
  • Geklärte Rollen — insbesondere die vier Dimensionen Wollen, Können, Sollen und Dürfen müssen besprochen sein, damit der Walk in the Park über die richtigen Themen reden kann
  • Tools — die technische Abbildung der Pipeline, auf die im Sync direkt zugegriffen wird
  • Die Disziplin, Meetings nicht zu überladen — der Sync synchronisiert, die Office Hours coachen, der Walk in the Park kultiviert. Wer diese Grenzen verwischt, verliert den Wert aller drei Formate